Die Qualität englischer Wohnwagen

Ein Wohnwagen zu finden, der frei jeglicher Mängeln ist, ist vergleichbar mit der Suche nach einem Salz, das weniger salzig ist.

Mit dieser Einleitung könnte ich den Artikel wieder schließen, aber ganz so einfach möchte ich es mir und auch Ihnen, dann doch nicht machen.


Anmerkung: Dieser Beitrag stellt keine generelle Bewertung englischer Wohnwagen dar, sondern bezieht auf persönliche Erfahrungen mit den Marken Lunar und Sprite.

Ich sitze in unserer Luna Stellar und starre auf den Umleimer eines Schranks. Dieser hat sich gelöst und hängt etwas herunter. “Das können sie irgendwie nicht” dachte ich laut vor mich hin. Und in der Tat, auch andere Besitzer englischer Wohnwagen berichten von diesem Mangel, daher scheint dieser Gedanke nicht ganz abwegig zu sein. Aber ist dieser Wohnwagen nun perse schlecht? Nein, das ist er ganz bestimmt nicht.

Üblicher Standard

Grundsätzlich bestehen englische Wohnwagen, ebenso wie die vieler anderer Hersteller vom Festland, aus Markenkomponenten der branchenüblichen Lieferanten. Es handelt sich um Zukaufmodule, die in mehr oder weniger großen Stückzahlen geordert werden.

Auch in der Konstruktion eines Wohnwagen sind sich die meisten Hersteller einig, insbesondere kleinere Firmen setzen auf Bewährtes und optimieren ihre Entwürfe mit Bedacht.

Größere Firmen haben die Möglichkeit neue Verfahren zu erproben und in Kleinstserien umzusetzen. Ich denke dabei zum Beispiel an den Dethleffs eCOCO, der von der Hymer-Group konstruiert wurde, oder an dem Knaus Travelino. Beide Entwürfe entsprechen einer neuen Generation Wohnwagen, die stark von der bisherigen Konstruktionsbauweise abweichen.

Faktoren für die Verarbeitungsqualität

Nachlässigkeiten in der Verarbeitung hingegen haben unterschiedliche Ursprünge. Nicht zuletzt hat die jeweilige Mentalität des Landes, in dem das Produkt hergestellt wird, einen entscheidenen Einfluss auf die Sorgfalt beim Zusammenbau.
Andere Faktoren sind Kosten- und Zeitdruck, um die relativ kleinen Stückzahlen dennoch zu marktgerechten Preisen offerieren zu können.

Die Philosophie des Unternehmens ist daher ganz entscheidend für das Endprodukt. Ein Polar aus Schweden zum Beispiel ist ein Muster an höchstmöglicher Verarbeitungsqualität. Polar treibt einen sehr hohen Aufwand in der Produktion und in der Qualitätssicherung, entsprechend hoch sind die Einstiegspreise und Lieferzeiten für diese Wohnwagen. Darüber hinaus sind Polar Wohnwagen keine Leichtgewichte, weil hoher Materialeinsatz an dieser Stelle seinen Tribut zollt.

Englische Wohnwagen sind leicht und gut ausgestattet

Zurück zu den englischen Wohnwagen. Englische Wohnwagen sind in der Regel leichte und kompakte Konstruktionen, die mit einer reichen Ausstattung aufwarten können. Leicht und gut ausgestattet bedarf es eines Kompromisses, der sich bereits in der Konstruktion der Karosse niederschlagen muss, damit das Gesamtgewicht nicht zu hoch wird. Englische Wohnwagen haben daher meist relativ dünne Wände und Böden.

Die Möbelplatten kommen ebenfalls von branchenüblichen Herstellern und entsprechen der heute verbreiteten Sandwichbauweise. Vollholz und P43-Look waren gestern, Pappelsperrholz und Folie sind es heute. Leider fehlen an der ein oder anderen Stelle aus Gewichtsgründen stützende Latten, welche die leichte Bauweise etwas mehr stabilisieren könnten. Aber das sind Ausnahmen.

Alles weitere ist, abgesehen von der elektrischen Anlange, “normaler” Standard, der kaum Überraschungen beherbergt. Für die Elektrik gibt es in England einen zentralen Lieferanten, der eigentlich alle Hersteller beliefert. So gesehen, ebenfalls Standard.

Summary

Nein, englische Wohnwagen werden nicht den ersten Preis bei der Verarbeitung und im Sinne einer “schweren Qualität” gewinnen. Es sind vielmehr leichte und gut ausgestattete Wohnwagen, die ein wunderbares Raumgefühl vermitteln und so den Besitz zur Freude werden lassen.
Bringt der Interessent oder Besitzer noch etwas Großzügigkeit bei den Nachlässigkeiten mit, steht dem Glück mit einem englischen Wohnwagen nichts mehr im Wege.