Ratlos im Schnee

Mit dem Wohnwagen im Winter bei unwirklichen Bedingungen unterwegs

Wir halten mit dem Wohnwagengespann auf dem Parkplatz einer Tankstelle irgendwo zwischen Sveg und Mora in Mittelschweden. Mir ist noch etwas flau im Magen, denn es ist Winter, es schneit unaufhörlich und kurz vor unserem Stopp ist mir das Gespann an einer Kuppel ausgebrochen. Ich konnte es jedoch wieder stabilisieren und unbeschadet weiterfahren.
Dennoch, ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich die Tagesetappe noch zu Ende fahren soll. Die Bedingungen sind schrecklich, der Schnee reicht bis zur Unterkante der Schürze des Skoda Yetis.

Die 140km zwischen Sveg und Mora galt es bei heftigem Schneetreiben zu überstehen.

Der Parkplatz ist ok und wir könnten hier bestimmt eine Nacht verbringen. Aber wir haben einen Zeitplan und müssen die Fähre in Göteborg erreichen.

Ich stehe an der Straße um mir anzusehen, wie sich die Fahrbahn entwickelt, als ein Saab 9000 Kombi mit schwedischem Kennzeichen neben uns anhält. Ein Mann und eine Frau steigen aus dem Auto und befreien die Scheiben mit einem kleinen Besen vom Schnee. Der Mann flucht und obwohl er auf schwedisch flucht, konnte ich mir dennoch vorstellen, worüber er flucht.

Weil das Paar aus der Richtung kam in die wir wollten, beschloss ich, den Mann auf die Straßenverhältnisse anzusprechen.
Der Mann drehte sich um und legte los: “Schrecklich, die schaffen es nicht, die Straße frei zu räumen. Überall stecken LKWs fest oder liegen sogar im Graben. Das ist die E45, die Hauptverkehrsroute in den Norden, dass muss man sich einmal vorstellen”.
Der Mann sah mich an, dann richtete er seinen Blick auf den Wohnwagen. Er schwieg  einen Augenblick, dann fragte er: “Mit dem Wohnwagen?”. Der Blick des Mannes schien mir zu sagen, dass ich nicht mehr alle Tassen im Schrank habe. Dann fügte er hinzu: “Ab Mora wird es besser, ab dort sind die Straßen einigermaßen frei”.

Bis Mora waren es noch ungefähr 70km, das sollte doch zu schaffen sein. Oder?

Ich setzte mich wieder ins Auto und rang mit mir. Fahren oder nicht, das ist hier die Frage.
Meine bessere Hälfte unterbrach die Stille mit der Frage: “Was hat der Mann gesagt”? “Och, ich habe ihn nur gefragt, wie es bis Mora aussieht.” “Und?”
“Ist wohl nicht so schlimm wie es aussieht” antwortete ich.

Wir fuhren also weiter und erreichten Mora unbeschadet, aber nervlich am Ende.
Ab Mora ging es dann verhältnismäßig gut weiter und in Karlstad war der Schnee bereits verschwunden!
Am Ende erreichten wir die Fähre sogar zu früh.

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